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Kennen sie schon…? – Richard Jakob “Weißgerber”

Richard Jakob wurde am 11. Februar 1877 als Sohn eines Gitarrenbauers in Markneukirchen geboren. Nach dem Besuch der Bürgerschule absolvierte er eine Lehre zum Zithermacher bei Rudolf Glier. Nach seinem Militärdienst in Straßbourg wechselte er zum Gitarrenbau. Bis 1905 arbeitete er als Geselle um sich anschließend selbstständig zu machen. Während des ersten Weltkrieges musste Richard Jakob seine Tätigkeit unterbrechen und Kriegsdienst an der Westfront leisten. Nach dem Krieg sezte er den Gitarrenbau fort.
In der damaligen Zeit war es üblich, dass der Instrumentenmacher seine Instrumente an einen örtlichen “Verleger”, einen Großhändler abgab, der dann den Verkauf übernahm. Richard Jakob wollte sich dieser Abhängigkeit aber nicht mehr aussetzen – die Verleger drückten die Preise – und ließ sich 1921 den Namen “Weißgerber” schützen. “Weißgerber” war übrigens der Beruf seiner aus Böhmen stammenden Vorfahren.
Unter diesem Markennamen vertrieb Richard Jakob seine Instrumente schließlich selbst. Es dauerte aber noch bis etwa 1930 bis er sich endgültig von den Verlegern gelöst hatte.
Richard Jakob experimentierte viel. Er widmet sich dem Bau von Gitarren nach spanischem Vorbild, versucht die Wiener Bauart zu verbessern und versieht Decken und Böden seiner Gitarren mit Hohlkehlen. Dieses ständige Experimentieren war es wohl auch, was Richard Jakob zu einem der besten und bedeutendsten Gitarrenbauer des 20. Jahrhunderts machte.

Richard Jakob in seinem Gitarrenzimmer

Richard Jakob in seinem Gitarrenzimmer

Die Arbeit Richard Jakobs lässt sich in drei Perioden unterteilen. In den ersten Jahren seiner Selbstständigkeit experimentierte er viel mit Formen Materialien und Konstruktionsarten. Es war die Zeit des Suchens. In einer zweiten Phase konzentrierte er sich auf Gitarren der spanischen Bauart, wahrscheinlich auf Anregung einiger spanischer Gitarristen die in dieser Zeit in Markneukirchen gastierten und die ihm wohl auch die Möglichkeit gaben ihre Gitarren zu untersuchen. Der dritte Abschnitt des Wirkens Richard Jakobs ist gekennzeichnet durch eine enge Zusammenarbeit mit den bedeutendsten Gitarristen seiner Zeit. Es war die Zeit nach dem 2. Weltkrieg. In dieser Phase, die bis zu seinem Tod 1960 dauerte, entstanden die bis heute klanglich wertvollsten Instrumente.
Gerade nach dem zweiten Weltkrieg gestaltete sich der Gitarrenbau und vor allem die Materialbeschaffung allerdings sehr viel schwieriger durch die Einführung der Planwirtschaft. Außerdem mussten von der Werkstatt “Weißgerber” wie von vielen anderen Musikinstrumentenbauern aus dem Vogtland auch Reparationen an die Sowietunion geleistet werden.

Richard Jakob selbst verkaufte nicht alle seine Instrumente, sondern behielt viele bei sich in seinem Gitarrenzimmer. Die Tatsache das er es sich leisten konnte nicht alle Gitarren sofort zu verkaufen zeigt seinen wirtschaftlichen Erfolg. Möglicherweise ist die Sammelleidenschaft aber auch eine Nachwirkung der Hyperinflation, die nur eines der großen Markneukirchener Verlagshäuser überlebte und in deren Verlauf wohl auch Richard Jakob große Verluste zu verzeichnen hatte. Sein Gitarrenzimmer war wohl seine Geldanlage.

Richard Jakob verstarb im Alter von 83 Jahren am 17. Juli 1960 in Markneukirchen an Magenkrebs. Bis zuletzt hatte er noch in seiner Werkstatt Instrumente gebaut. Selbst aus dem Jahr seines Todes existieren noch 2 oder 3 Instrumente von ihm. Die Werkstatt wurde von Sohn Martin Jakob fortgeführt.

Richard Jakob

Richard Jakob

Zum 50. Todestag von Richard Jakob fanden 2010 in Markneukirchen die Weißgerbertage statt. Es wurde eine Sonderausstellung mit seinen Instrumenten gezeigt und es fanden zahlreiche Konzerte auf Instrumenten von Richard Jakob statt. Auch das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen stellt eine umfangreiche Sammlung mit Instrumenten von Richard Jakob aus. Zudem gibt es seit einiger Zeit eine CD die auf Weißgerber-Instrumenten eingespielt wurde und in Kürze erscheint ein Buch über Leben und Werk dieses herausragenden Gitarrenbauers des 20. Jahrhunderts.

http://museum-markneukirchen.de/literatur.htm


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