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Kennen sie schon…? – Max Bernhard Martin

Max Bernhard Martin, in Markneukirchen geboren, gründete 1880 die “Deutsche Signal-Instrumentenfabrik Max B. Martin”, mit der er weltbekannt werden sollte. Zunächst verlegte sich Max Bernhard Martin mit seiner Firma auf die Produktion von Signalhörnern und Jagdinstrumenten sowie Kavallerietrompeten. Mit dem Aufkommen der ersten Automobile wurden auch Autohupen in die Produktion aufgenommen. Die spezialisierte Firma erlangte schnell Bekanntheit und wurde zum ersten Mal in ganz Deutschland berühmt durch den Bau der “Kaiserfanfare”. Deren Signal “Bald hier, bald dort” kündigte ein Fahrzeug der deutschen kaiserlichen Familie an.

Die Signalhörner wurden von Max Bernhard Martin stetig weiterentwickelt, so dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die sogenannte Martinstrompete entwickelt wurde. Dieses achttönige Instrument wird wie viele andere Signalinstrumente auch durch einfaches Hindurchblasen von Luft gespielt. Eine aufschlagende Zunge erzeugt dann die Töne, die dynamisch vom Musiker nicht verändert werden können und die auf eine bestimmte Tonart, meist C-Dur, festgelegt sind. Das Instrument ist deshalb sehr leicht zu erlernen. Die Martinstrompeten wurden in verschiedenen Tonlagen gebaut, so dass sich mit den Instrumenten ganze Orchester zusammenstellen ließen. Das erste Schalmeienorchester (die Martinstrompete wird auch Schalmei genannt, wahrscheinlich wegen dem durchdringenden Klang, der Ähnlichkeit mit dem historischen und heute nicht mehr gebräuchlichen Holzblasinstrument hat) wurde 1913 gegründet. In der Folge gründeten sich in ganz Deutschland zahlreiche Schalmeienorchester, vor allem als Abteilungen von Turn- und Radfahrvereinen sowie Feuerwehren. Auch heute noch gibt es zahlreiche Schalmeienorchester in ganz Deutschland, die vor allem bei Umzügen und Volksfesten gern gehörte Gäste sind.

Eine Schalmei oder Martinstrompete

Eine Schalmei oder Martinstrompete

Aber noch ein weiteres Mal sollte der Name Max Bernhard Martin in die Annalen der Geschichte eingehen. 1932 entwickelte die Markneukirchener Firma zusammen mit Feuerwehr- und Polizeidienststellen ein Signalhorn, das als Sondersignal für Einsatzkräfte gesetzlich vorgeschrieben wurde. Das “Martin-Horn”, umgangssprachlich auch Martinshorn, war geboren. Bis zum 2. Weltkrieg hatte die Deutsche Signalinstrumentenfabrik Max B. Martin aus Markneukirchen das Patent auf dieses Signalhorn und war deswegen einziger Produzent. Die Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Polizei in ganz Deutschland wurden mit den Signalinstrumenten aus Markneukirchen ausgestattet. In Deutschland wird heute wie damals übrigens üblicherweise die Tonfolge a’-d” verwendet. Die Tonfolge hat ihren Ursprung im Jagdsignal für Gefahr und ist in Deutschland heute sogar durch eine DIN-Norm (DIN 14610) geregelt.

Das Martinshorn

Das Martinshorn

Die deutsche Signalinstrumentenfabrik Max B. Martin existierte noch bis 1953, wobei die Familie Martin bereits direkt nach dem Krieg enteignet wurde. 1953 erfolgte der Zusammenschluss der Firma mit zahlreichen anderen Markneukirchener und Klingenthaler Herstellern von Metallblasinstrumenten zum VEB B&S. Der Betrieb existiert, nach erfolgreicher Privatisierung nach der Wiedervereinigung, heute noch unter dem Namen B&S. Signalhörner werden aber nicht mehr produziert. Der Name von Max Bernhard Martin wird weiter verwendet von der 1950 in Phillipsburg in Baden-Würtemberg gegründeten Firma Max B. Martin GmbH & Co. KG, die von den enteigneten Nachfahren von Max Bernhard Martin gegründet wurde. Diese produziert in der Tradition der Deutschen Signalinstrumentenfabrik Max B. Martin weiter Signalhörner, “Martin-Hörner” und weitere Signalinstrumente. Die vogtländische Tradition der Herstellung von Schalmeien wird durch die Markneukirchener Firma Jürgen Voigt weitergeführt.


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